Forschung

David Barker

Der englische Epidemiologe David Barker von der University of Southhampton machte schon 1984 eine erstaunliche Entdeckung: Bei den Studien einer Landkarte mit Daten zur Gesundheitsstatistik, für die Gesundheitsbehörde fiel ihm auf, dass ausgerechnet in den Regionen, in denen Anfang des Jahrhunderts die Säuglingssterblichkeit besonders hoch war, auffallend viele Menschen an Herzkrankheiten starben.

Herzleiden gelten als Krankheit der Reichen, Säuglingssterblichkeit ist dagegen ein Leiden der armen Bevölkerung. Um zu beweisen, dass Infarkt und Schlaganfall Spätfolgen von Mangelernährung im Mutterleib sein könnten, brauchte Barker möglichst viele alte Krankenakten, die Aufschluss geben konnten über Schwangerschaftsverlauf, Geburtsgewicht und Geburtsgröße. Er verglich nun diese Daten mit dem aktuellen Gesundheitszustand der Betroffenen. Ein Historiker der Oxford University durchforschte für ihn zwei Jahre lang Archive, bis er schließlich fündig wurde. In der Grafschaft Hertfordshire hatte eine leitende Hebamme akribisch das Gewicht jedes einzelnen Kindes notiert, das dort zwischen 1911 und 1945 geboren wurde. Daten von 13249 Männern gingen in eine erste Studie ein. Durch das Ergebnis sah Barker seine Annahme bestätigt: Für einen Mann der bei seiner Geburt weniger als 5 Pfund wog, ist das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, um 50% größer als für einen Mann mit höherem Geburtsgewicht. Eine Frau, die bei ihrer Geburt leichter war als 5 Pfund, das ergab eine weitere Untersuchung mit 70000 Amerikanerinnen, hat ein um 23 % erhöhtes Risiko. Inzwischen wurde dieser Zusammenhang durch weitere groß angelegte Erhebungen in Skandinavien und Indien belegt.

Zitat aus Spiegel Heft Nr.:4, 24.1.2000
Vollständiger Artikel unter: http://www.spiegel.de/

Das “French Paradox” (seltene KHK{koronare Herzerkrankung} bei unseren französischen Nachbarn), wird laut Barker durch eine richtige “Programmierung” während der Schwangerschaft hervorgerufen. Frankreich hatte schon Ende des 19. Jahrhunderts Gesundheitsprogramme für Kinder und werdende Mütter gestartet. (Barker, British Medical Journal, 318, 1999, 1477). Heute zeigen sich, laut Barker, die Auswirkungen dieser Gesundheitsprogramme.

Arya Sharma, Blutdruck- und Nierenspezialist am Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin, ist sich daher sicher:

Die Indizien, dass Barker recht hat, sind mittlerweile erdrückend. Wir müssen akzeptieren, dass die neun Monate vor der Geburt offenbar einen prägenden Einfluss auf die Gesundheit im Alter haben können.